Er ist einer der renommiertesten Wissenschaftler auf internationaler Ebene

„Energie ist zu billig“: sagt Ernst Ulrich von Weizsäcker in Karlsruhe

31.08.2009 - Ernst Ulrich von Weizsäcker gilt als einer der renommiertesten Wissenschaftler auf internationaler Ebene. Gleichzeitig verfügt der Sohn des jüngst verstorbenen Philosophen Carl-Friedrich von Weizsäcker – und Neffe des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker – über reichhaltige politische Erfahrungen. Er saß zwischen 1998 und 2005 für die SPD in Stuttgart im Deutschen Bundestag. Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Johannes Jung kam der Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und Träger des Deutschen Umweltpreises 2008 Ende August zum Diskurs auf den „Karlsruher Energieberg“ und diskutierte mit Interessierten über die „Energiewende“

Nach Karlsruhe ist der Physiker und Biologe jedoch nicht gekommen, um über seinen berühmten Vater oder seinen angesehenen Onkel zu sprechen, sondern um – auf Einladung von Johannes Jung – die Sozialdemokraten im Wahlkampf zu unterstützen. Zu diesem Zweck besuchte von Weizsäcker den Windmühlenberg am Rande des Rheinhafens, um dort über Wege zur ökologisch nachhaltigen Wirtschaft zu sprechen. Die Ökologie ist überhaupt sein Leib- und Magenthema, stellt die lokale Presse in ihrer Berichterstattung fest.

„Wir können fünfmal effizienter werden im Umgang mit Kilowattstunden, mit Öl oder Wasser“, ist der 70-Jährige überzeugt. Dabei vertritt von Weizsäcker auf den ersten Blick auch unpopuläre Thesen. So sagt er beispielsweise, dass Energie viel zu billig sei – etwa Benzin. „Ich sage ja nicht, dass Energie schlagartig teurer werden muss“, wiegelt er ab. Gelinge es aber, zum Beispiel eine Autoflotte energieeffizienter zu bauen, könne auch das Benzin teurer werden – faktisch werde es schließlich nicht teurer, „wenn ein Auto nur noch eineinhalb Liter verbraucht“.

Weizsäcker, Autor des in der Fachwelt mit vorzüglichen Bewertungen rezipierten Buches „Faktor 4“ ist derzeit als Ko-Vorsitzender des UNEP-Ressourcen-Panels (International Panel for Sustainable Resource Management) aktiv und hat dort die Aufgabe, die Arbeiten dieses neuen internationalen Gremiums zu befördern und zu koordinieren. Vier Arbeitsgruppen wurden zunächst konstituiert, über Agrotreibstoffe (Biofuels), koordiniert von Dr. Stefan Bringezu vom Wuppertal Institut; Internationale Metall-Flüsse, koordiniert von Prof. Thomas Graedel von der Yale School of Forestry and Environmental Studies, USA; Abkoppelung des Wohlstand vom Ressourcenverbrauch, koordiniert von ihm selbst, und schließlich mit der Prioritätensetzung: wo sollte man das Augenmerk und die politischen Eingriffe zunächst haben, - koordiniert von Prof. Edgar Hertwich, Trondheim, Norwegen.

Der nach einigen Jahren als Dekan der Donald Bren School of Environmental Science and Management an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara seit jüngster Zeit im badischen Emmendingen wohnhafte Pensionär und siebenfache Großvater sieht den derzeitigen Zustand der SPD nur als Interimsphase. Sein Optimismus ist ungebrochen. „In der Generation meiner Enkel wird die SPD wieder groß dastehen“, ließ er die lokale Presse beim Besuch in Karlsruhe wissen.

Mehr Informationen: http://ernst.weizsaecker.de

Fotos zum Besuch: Facebook Johannes Jung