Diamorphintherapie

„Stadt Karlsruhe darf aus erfolgreichem Heroinmodellprojekt nicht aussteigen“

29.07.2008 - Kalt überrascht wurde am Montag auch der Bundestagsabgeordnete Johannes Jung von der brieflichen Ankündigung des Karlsruher Sozialdezernenten Harald Denecken, aus dem seit 2002 erfolgreich laufenden Heroinmodellprojekt „voraussichtlich zum Ende des Jahres 2008“ auszusteigen. Der SPD-Kreisvorsitzende reagiert mit Empörung und Unverständnis, zumal es dazu im Vorfeld keinerlei Ankündigungen gegeben habe und das Thema auch nicht im Gemeinderat oder dessen Ausschüssen behandelt worden sei.

Mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Karlsruhe, deren Vorstand er angehört, ist Jung einig, dass es völlig inakzeptabel sei, nicht einmal nach gemeinsamen Lösungsmöglichkeiten für das Modell gesucht zu haben. Die AWO als Träger der kontrollierten Heroinabgabe sehe zurecht die Gefahr, es „billigend in Kauf zu nehmen“, dass die derzeit 18 heroinbehandelten Patienten bald wieder auf den illegalen Wegen der Beschaffungskriminalität landeten. Jung: „Es ist ethisch nicht vertretbar, Menschen, die erfolgreich mit Diamorphin behandelt wurden, dieses überlebenswichtige Medikament zwangsweise zu verweigern und sie wieder auf die Straße zu schicken“. Schließlich sei diese Behandlung gerade denjenigen Heroinabhängigen angeboten worden, bei denen eine Methadonbehandlung nicht erfolgreich gewesen sei. Dazu kämen rund 50 Methadon-Patienten, deren Weiterbehandlung ebenfalls auf dem Spiel stehe.

Der Bundestagsabgeordnete Johannes Jung, der sich in der Großen Koalition in Berlin nach wie vor mit einer Gesetzesinitiative zu Übernahme der kontrollierten Heroinabgabe in die Regelversorgung der Krankenkassen einsetzt, beschuldigt „die Reaktionäre in der CDU, namentlich die Baden-Württemberger Volker Kauder und Annette Widmann-Mauz“, konsequent der „Sabotage an diesem Projekt, bei dem es tatsächlich um Leben und Tod geht. Wir müssen verhindern, dass diese zwei Betonköpfe an einflussreicher Stelle allein in Karlsruhe 18 Schwerkranke ins Elend zurückstoßen. Die Reaktionäre in der CDU dürfen sich nicht durchsetzen.“

Allerdings stimmten in Karlsruhe die Relationen nicht: Es könne nicht sein, dass Millionen an Steuergeld für VIP-Parkplätze der Edel-Fans der KSC-Profiabteilung in einem möglichen neuen Fußballstadion flott gemacht würden, während das Heroinprojekt und – damit Menschenleben – kaputtgespart werde. „Die städtische Finanzpolitik zeigt hier perverse Züge. Das muss anders werden, hier muss der Gemeinderat eingreifen. Die Argumente für die Fortsetzung des Heroinmodells in Karlsruhe sind seit langem bekannt und bleiben richtig. Dieses Modell und seine Patienten müssen überleben! Die Mehrheiten im Bund ändern sich hoffentlich pro Vernunft und Menschlichkeit. Deshalb darf die Stadt nicht aussteigen“, so der SPD-Kreisvorsitzende Johannes Jung.



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